Tag der Lehre 2025
„Universität als Gestaltungsraum zwischen Interessen, Anforderungen, Teilhabe und Bewältigung“
Prof.Dr. Claudia Becker, Rektorin der MLU, bei der Eröffnung des TdL 2025, (Foto:Markus Scholz)
Eröffnung des Tag der Lehre als Dies academicus an der MLU
Die MLU ist in der Forschung exzellent - „Das ist großartig“, sagte Rektorin Prof. Dr. Claudia Becker. „Dass wir auch in der Lehre exzellent sind, sieht man an dem Engagement derjenigen, die sich dafür interessieren, wie wir Lehre an dieser Universität gut und noch besser machen können“, betonte sie mit Blick auf das Publikum bei der Eröffnung des Tages der Lehre an der MLU. Sie führte in den halbtägigen Dies academicus ein und verwies auf die zahlreiche Herausforderungen der Ausgestaltung von Studium und Lehre, wie zum Beispiel Künstliche Intelligenz, digitales Prüfen, Inklusion und Systemakkreditierungen und die Wichtigkeit sich zukunftsgerichtet mit diesen Themen auseinanderzusetzen.
Freigabe der MLU-KI
In seiner Begrüßung gab der Prorektor für Studium und Lehre, Prof. Dr. Pablo Pirnay-Dummer mit einem symbolischen Akt den Zugang für „MLU-KI“ frei, ein generatives KI-System, das die MLU ihren Studierenden und Beschäftigten zunächst für zehn Monate Probebetrieb kostenfrei zur Verfügung stellt. Unter einer Oberfläche vereint es ChatGPT und weitere KI-Modelle. „MLU-KI“ ist ein Projekt der Universitäts- und Landesbibliothek, des IT-Servicezentrums der MLU und des Zentrums für multimediales Lehren und Lernen LLZ.
Prof.Dr. Pablo Pirnay-Dummer, Prorektor für Studium und Lehre der MLU, bei der Eröffnung des TdL 2025, (Foto:Markus Scholz)
Gemeinsam innovativ - Was leuchtendes Lernen braucht
Graphic Recording Thorsten Ohler / chartflipper
Prof.Dr. Evelyn Korn, Stiftung Innovation in der Hochschullehre, bei der Keynote am TdL der MLU 2025, (Foto:Markus Scholz)
Die Keynote zum Tag der Lehre hielt mit Prof. Dr. Evelyn Korn die Vizepräsidentin für Universitätskultur und Qualitätsentwicklung an der Philipps-Universität Marburg. Sie ist zugleich im Vorstand der 2020 gegründeten Stiftung Innovation in der Hochschullehre. Frau Prof. Korn nahm den Faden der Förderung im Rahmen der Exzellenz-Strategie in mehreren Punkten auf. „Wir müssen schauen, dass wir für die Lehre in dem Spiel mitspielen“, mahnte sie. Sie verwies auf die Notwendigkeit einer stärkeren Reputation der Lehre, aber auch eines gewissen Freiraums und notwendige Experimentierräume für die Lehrenden. 140 Millionen Euro vergibt die Stiftung Innovation in der Hochschullehre jährlich, um dies zu ermöglichen.
Workshop - Sessions
Um kreative Ideen und den Austausch ging es auch in den 14 Workshops. Deren Bandbreite reichte von Fragen zu einem konstruktiven Feedback über familiengerechte Lehr- und Studienbedingungen und Inklusion bis hin zu Künstlicher Intelligenz und einer zukunftsorientierten Prüfungskultur.
Session 1 Graphic Recording Thorsten Ohler / chartflipper
Session 2 Graphic Recording Thorsten Ohler / chartflipper
Verleihung der Lehrpreise und Hochschuldidaktischen Zertifikate
Auch am Tag der Lehre 2025 wurde die Bedeutung der Lehre an der MLU durch öffentliche Anerkennung herausragender Lehrformate in Form der Vergabe von Lehrpreisen betont. Damit werden Lehrende bestärkt, ermutigt und motiviert sich kontinuierlich zu verbessern, innovative Lehrmethoden zu erforschen und sich intensiver mit den Lernenden auseinanderzusetzen.
Würdigung der Absolvent:innen des HSD-Zertifikates der MLU 2025
Die MLU bietet Lehrenden und wissenschaftlichen Beschäftigten aller Fakultäten ein Zertifikatsprogramm zur Didaktik der Lehr- und Lernprozesse an Hochschulen an.
Am Tag der 2025 wurden erstmals die Absolvent:innen (2024/2025) der umfassenden hochschuldidaktische Qualifizierung öffentlich gewürdigt, denn ihr Engagement für gute Lehre, ihre Offenheit für didaktische Weiterentwicklung und ihre Bereitschaft, neue Impulse in die Lehre zu integrieren, verdienen besondere Anerkennung.
Jenseits von Form und Curriculum. Optionen für Magie und neue akademische Kultur an Universitäten - Debatte mit musikalischer Rahmung
Als Impuls für die Abendveranstaltung berichtete der Prorektor für Studium und Lehre von einer -auf den ersten Blick wohl ungewöhlich erscheinenden- Lehrveranstaltung, die er selbst vor einigen Jahren angeboten hat: ein Seminar zum Nichts. Es gab Nichts, keine Scheine und keine Punkte für die Studierenden und Nichts für den Lehrenden. Vielmehr widmeten sich Studierenden aus ganz unterschiedlichen Fachbereichen verschiedenen philosophischen und auch naturwissenschaftlichen Theorien des Nichts. In diesem Projekt, welches letztendlich zu einem vielfachen mehr als Nichts führte, stellte Herr Prof. Pirnay-Dummer eine große Begeisterung und eine Sehnsucht nach einem Freiraum, den es in regulären Lehrveranstaltungen nicht so oft gibt, fest.
Tag der Lehre 2025: musikalischer Impuls (Foto: Heik Rebsch)
Prof.Dr. Golo Föllmer bei der Vorstellung seiner Lehre am Tag der Lehre 2025 (Foto: Heiko Rebsch)
Der Musik- und Medienwissenschaftler Prof. Dr. Golo Föllmer gab gemeinsam mit seinem Kollegen Alan van Keeken und Studierdenden einen Einblick in ein aktuelles, innovatives Lehr-Forschungs-Projekt. Dabei geht es darum Studierende stärker als bisher Musik, Instrumente und Tontechnik praktisch erfahren zu lassen. Wie ungewöhnlich das aussieht und sich anfühlt und auch anhört, zeigte die Seminargruppe mit einer kurzen Aufführung des Stücks „Mikrophonie I“ des deutschen Komponisten Karlheinz Stockhausen.
Die sich anschließende Podiumsdiskussion widmete sich den Regeln und den Grenzen in Studium und Lehre sowie der Frage, ob beziehungsweise wie diese überwunden werden könnten. Als Gäste waren neben Prof. Dr. Pirnay-Dummer und Prof.Dr. Föllmer auf dem Podium: die Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Petra Dobner, Dr. Dietrich Stoevesandt, Leiter des Dorothea Erxleben Lernzentrums der Medizinischen Fakultät, Joris Förster, studentischer Beauftragter für Lern- und Beteiligungskulturentwicklung des Prorektorats für Studium und Lehre, und Prof. Dr. Roger Gläser, Prorektor für Talententwicklung: Studium und Lehre an der Universität Leipzig.
Zu Beginn stellte der Prorektor eine These in den Raum: „Gute Lehre kann im Rahmen der Regeln ordentlich gestaltet werden und erfüllt dann die üblichen Standards. Sehr gute Lehre aber geht darüber hinaus – sie überschreitet zwangsläufig die Grenzen des Regelbaren.“ Dem stimmte etwa Roger Gläser nur bedingt zu und argumentierte, dass es die AUfgabe der Hochschulleitung den Rahmen zugestalten. Frau Prof. Dobner kritisierte die teils sehr strengen Regeln für modularisierte Studiengänge und warb auch für mehr Freiraum.
Die Perspektive für die Ausbildung angehender Ärztinnen und Ärzte brachte Dietrich Stoevesandt ein. Vom Medizinstudium würde man, so seine Argumentation, vermutlich erwarten, dass es größere Zwänge in Bezug auf Inhalt und Form des Studiums gibt. Aber auch er plädiert für mehr Formate den Studierenden die Möglichkeit geben, ihr erworbenes Wissen unter realistischen Bedingungen praktisch auszuprobieren und anzuwenden.
Das Podium war sich darüber einig: Gestaltbares ergibt sich auch innerhalb der Regeln und Zwänge, denen Hochschulstudium und Hochschullehre an einigen Stellen unterliegen. Dazu braucht es aber auf allen Ebenen Personen, die gestalterisch wirken wollen und können.



